Das Hungerlied (1844/45)

Das Hungerlied

Verehrter Herr und König,
Weißt Du die schlimme Geschicht'?
Am Montag aßen wir wenig
Und am Dienstag aßen wir nicht.

Und am Mittwoch mußten wir darben,
Und am Donnerstag litten wir Noth;
Und ach, am Freitag starben
Wir fast den Hungertod!

Drum laß am Samstag backen
Das Brod, fein säuberlich;
Sonst werden wir Sonntags packen
Und fressen, o König, Dich!

Anmerkungen:
Bearbeitungsstatus: Transkription abgeschlossen
Bearbeiter: Mathias Nowak

Gedichtzyklus "Die Not" (1844/45), Nr. XI.; Autograph im International Institute of Social History, Amsterdam: Georg Weerth-Archiv, Manuskript Nr. 29, "Gedichte", c. 18411846, S. 14.

Das "Hungerlied" ist das letzte Gedicht innerhalb des elfteiligen Zyklus "Die Not", der in den Jahren 1844/45 entstanden ist. Dieser Gedichtzyklus wurde zu Lebzeiten Weerths nicht publiziert. Er ist in der handschriftlichen Reinschrift "Gedichte von Georg Weerth" (1846) enthalten. Eine Postkarte mit dem Autograph von Weerths "Hungerlied" aus dem Amsterdamer Internationaal Instituut voor Sociale Geschiedenis kam bei "Journal" (Utrecht) heraus (s. DVA: LP 1691). Teile des Zyklus "Die Not" erschienen 1845 in der Zeitschrift "Gesellschaftsspiegel" und 1847 in der von Herrmann Püttmann herausgegebenen Anthologie "Album" unter dem Titel "Lieder aus Lancashire"; dazu Fumio Takaki: Zu den "Liedern aus Lancashire". In: Georg Weerth (18221856). Referate des I. Internationalen Georg-Weerth Colloquiums 1992. Hrsg. Michael Vogt. Bielefeld 1993, S. 7384. Das "Hungerlied" blieb seinerzeit jedoch unpubliziert und wurde erst 1952 gedruckt.

ISSN 2363-8648

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