Astronom Peter Andreas Hansen in der Herzoglichen Sternwarte Jägerstraße Gotha

Peter Andreas Hansen

Director der Herzoglichen Sternwarte Jägerstraße Gotha von 1860 bis 1874.

Astronom

Geboren am 8. März 1795 in Tondern (Schleswig-Holstein)
Gestorben am 22. März 1874 in Gotha (Thüringen)

Professor, Director der Seeberger Sternwarte, Director der Herzoglichen Sternwarte Jägerstraße Gotha, Ritter vom Dannebroge, Mitglied der Königl. Gesellschaften der Wissenschaften in London und Copenhagen, Correspondent der Kaiserl. Academie der Wissenschaften in Petersburg, und der Königl. Academie der Wissenschaften in Berlin.[1]


Stempel von Peter Andreas Hansen

Die hohe mathematische Begabung des jungen Uhrmachers, der keine höhere Schulbildung und keine akademische Ausbildung genossen hatte, wurde von dem Arzt Dircks seiner Heimatstadt erkannt, der ihn 1820 dem Leiter der Gradmessungsarbeiten in Holstein, Schumacher, als Gehilfen und späteren ständigen Mitarbeiter zuführte. Schon wenige Jahre später (1825) wurde der Autodidakt als Nachfolger Enckes nach Gotha berufen, wo er 1857 am Stadtrand eine neue Sternwarte errichtete. Hansens große Leistungen liegen auf dem Gebiet der Himmelsmechanik, vornehmlich der Theorie der Bewegung des Mondes. Die von ihm entwickelten Methoden der Störungsrechnung fanden in der Folgezeit vielfache Anwendung auf die Erforschung der Bewegung der Planeten. 1844 Dr. phil. h. c. der Universität Jena.[2]


Besitznachweis Peter Andreas Hansen

Personendaten im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Permalink: http://d-nb.info/gnd/119411253
Person: Hansen, Peter Andreas
Geschlecht: männlich
Lebensdaten: 1795-1874
Land: Deutschland (XA-DE)
Geburtsort: Tondern
Sterbeort: Gotha
Wirkungsort: Gotha
Beruf(e): Astronom, Geodät, Uhrmacher, Ministerialrat
Beziehungen zu Personen: Hansen, Wilhelm Emil (Sohn)
Beziehungen zu Organisationen: Sternwarte Seeberg (Gotha)


Peter Andreas Hansen. Um 1870. Foto Deutsches Museum München.


Grabstätte Peter Andreas Hansen auf dem Gothaer Friedhof II.

Neue Herzogliche Sternwarte zu Gotha


Aufriß der Sternwarte in der Jägerstraße.



Neue Herzogliche Sternwarte Jägerstraße Gotha



1 südlicher, 2 nördlicher Eingang, 3 erste Abteilung mit Passageinstrument, 4-5 zweite Abteilung mit südlichem und nördlichen Mauerquadranten,
6 dritte Abteilung mit Zenitsektor, 7 vierte Abteilung: Stube für die Astronomen zur Erwärmung



Die Räume D und E enthielten die Bibiliothek.

Der Neubau 1859

Lage der Sternwarte

Der Neubau der Sternwarte nach Planung des Gothaer Baurats Gustav Eberhard war 1859 beendet und die Familie Peter Andreas Hansen bezog das Gebäude. Die Sternwarte war ganz nach Hansens Vorstellungen für astrometrische Forschungen eines einzelnen Astronomen gebaut, enthielt aber auch Räume zu Lehrzwecken. An eine Erweiterung für die aufkommende Astrophysik war nicht gedacht worden. An das solide Wohnhaus waren ein Meridiansaal (im Grundriss mit A bezeichnet) mit dem Ertelschen Meridiankreis und einem Reichenbachschen Theodoliten und ein Beobachtungsraum im 1. Quartal (B) angeschlossen, in dem das Passageinstrument Platz fand. So bestanden für alle vorhandenen Instrumente Einsatzmöglichkeiten. Neu angeschafft wurden weitere astronomische Uhren und ein Äquatoreal für absolute Messungen in allen Richtungen, das im Turm (C) aufgestellt wurde. Das Gerät war eine Neukonstruktion der Firma Repsold in Hamburg. Die Uhren verfügten nun über elektrische Kontaktgeber, die persönliche Beobachtungsfehler ausschließen sollten. Der Raum (D) beherbergte die Bibliothek und (E) das Arbeitszimmer des Astronomen. Diese Sternwarte wurde wieder zu einem Zentrum des wissenschaftlichen Austausches und der gegenseitigen Besuche der Wissenschaftler. Dennoch vermisste Peter Andreas Hansen einen ständigen Kontakt mit Fachkollegen. Er leitete die Einrichtung bis zu seinem Tode 1874.[3]


Ansicht der Hansenschen Sternwarte in der Jägerstraße in Gotha. Foto um 1895.

Über die Einrichtung der Neuen Herzogl. Sternwarte zu Gotha.

Berichte der math.-physischen Classe der Königl. Sächs. Gesellschaft der Wissenschaften. 1859.

Herr Hansen las über die Einrichtung der neuen herzoglichen Sternwarte zu Gotha.

Nachdem der von Sr. Hoheit unserm jetzt regierenden Herzoge, Ernst II. zu Sachs.-Coburg und Gotha gnädigst beschlossene Neubau der vom hochseligen Herzoge Ernst II. zu S.-Gotha und Altenburg gegründeten Sternwarte auf dem Seeberge bei Gotha vollendet ist, ein Bau, der seinen Grund darin hat, dass die letztgenannte Sternwarte nicht mehr den Forderungen der Wissenschaft völlig entsprach, und gegen die zerstörende Kraft der Witterung schutzlos dastehend, trotz der angewandten Kosten auf langer dauer nicht rechnen konnte, wolle die Königl. Sächs. Gesellschaft der Wissenschaften mir erlauben, die Einrichtungen der neuen Sternwarte in Folgendem vorzutragen.

L a g e  d e r  s e l b e n. Die neue Sternwarte liegt in der Erfurter Vorstadt der Stadt Gotha an der östlichen Seite der Jägergasse[a], und am nördlichen Ufer des Leinacanals auf dem Platze, auf welchem eine seit längerer Zeit nicht mehr benutzte Hofschmiede stand, die auf dem Stieler-Bär'schen Grundrisse der Stadt Gotha benannt ist. Der Boden, auf welchem die Sternwarte erbaut ist, ist ein nach Norden schwach aufsteigender Hügel, welcher in den Anlagen, die das herzogliche Residenzschloss Friedenstein umgeben, wenige Fuss höher wie der Sockel der Sternwarte seinen höchsten Punkt erreicht, südlich von der Sternwarte hingegen sich mehr abwärts neigt. Fast am niedrigsten Punkt dieser Ebene, in einer Entfernung von ohngefähr 700 Schritten von der Sternwarte zieht sich sich die Thüringer Eisenbahn in der Richtung von Osten nach Westen hin, von deren hiesigem Bahnhof aus die Sternwarte sichtbar ist. Von einer Einwirkung der durch den Betrieb dieser Bahn auf derselben verursachten Erschütterungen auf die Instrumente der Sternwarte ist keine Spur vorhanden. Die Umgebung der Stermwarte nach Osten, norden und Westen gehört, wie die Sternwarte selbst und der Boden, auf welchem sie steht, zur herzoglichen Domaine, und es ist aus diesem Grunde nach diesen und den zwischenliegenden Richtungen die Sternwarte gegen solche Neibauten gesichert, die ihrem zwecke nachtheilig werden könnten. Südlich von der Sternwarte ist der Boden zwar Privateigenthum, aber wegen der Abdachung desselben können dort in der Folgezeit etwa entstehende Gebäude der Sternwarte keinen Nachtheil zufügen, wenn sie nicht eine, nie zu erwartende, thurmartige Höhe erhalten sollten. Es kommt der Sternwarte hiebei noch wesentlich der Umstand zu Gute, dass der durch die Meridianspalten gehende Meridian von der Sternwarte an auf eine Strecke von mehreren Hundert Fussen über einen öffentlichen Weg, der Walkmühlenschausee, hinstreift, wo auf keinen Fall die Errichtung von Gebäuden erwartet werden kann.

Gegen die Westwinde, die hier am heftigsten zu werden pflegen, ist die Sternwarte durch die Bäume des herzoglichen Parks geschützt, ohne dass dadurch vom Drehturme aus mehr wie 1 oder 1 1/2 Grad des Himmels verdeckt werden. Im Norden sieht man von diesem Thurme aus die Baumgipfel der Anlagen über die niedrigeren gebäude hervorragen, und es werden dort im Ganzen auch kaum 2 Grade verdeckt. Wenige Grade vom Nordpunkt nach Osten wird der Horizont selbst sichtbar, und die Aussicht darauf erstreckt sich, mit geringer Unterbrechung durch ein Paar Gebäude, die die eben darüber hervorragen, bis ohngefähr nach Süd-Westen, wo die Bäume des Parks anfangen.

Aus den angestellten trigometrischen Messungen ergiebt sich, dass der Mittelpunkt des Thurms der neuen Sternwarte in der Richtung des Meridians 1022.6 Meter nördlicher, und senkrecht darauf 1342.5 Meter westlicher liegt, wie der Mittelpunkt des Passageninstruments auf dem Seeberge. Es folgt hieraus, dass zwischen der vormaligen und der jetzigen Sternwarte der Polhöhenunterschied 33'',10 und der Längenunterschied 4s,58 beträgt. Die Polhöhe der neuen Sternwarte kann daher vorläufig = 500 56' 38'', und die Länge derselben von Paris = 33m 30s ,2 angenommen werden. Für die definitive Bestimmung der Polhöhe ist schon seit längerer Zeit eine Beobachtungsreihe am Meridian-Fussboden beträgt 5 1/4 Fuss. Die dachklappe hat eine ähnliche Einrichtung wie die oben beschriebene der Dachklappen des Meridianzimmers; die senkrechte Klappe in dem cylindrischen Theile des Daches ist von oben nach unten in zwei Hälften getheilt, die sich seitwärts öffnen. Dieses Dach bewegt sich mit grosser Leichtigkeit; man kann es ohne mechanische Hülfsmittel, durch die directe Anwendung der Kraft des Arms in Bewegung setzen, und wenn es in Bewegung gesetzt ist, so reicht die Kraft einer unerwachsenen Person hin, um es in Bewegung zu erhalten. Um übrigens die Bewegungen leichter dirigiren zu können, ist eine kleine Winde angebracht, die mit ihrem einen Ende daran befestigt ist, während das andere Ende an einem der im umkreise des Daches angebrachten Knöpfe angehängt wird, worauf sich durch das Drehen der Kurbel das Dach mit der grössten Leichtigkeit bewegen lässt, und kleinere und grössere Drehungen nach Belieben ausgeführt werden können.

Der innere Raum des Beobachtungszimmers im thurm ist ganz frei, wenn die Treppenthüre verschlossen ist, und durch kein Treppengeländer dient, und diesen Zweck vollständig erfüllt. Diese Thüre ist, wie die Dachklappen mit einem parallelogrammatischen Hebel nebst Gegengewicht versehen, welcher hier jedoch so eingerichtet ist, dass er auf andere Art wirkt. Während die Dachklappen, sowwohl wenn sie geschlossen, wie wenn sie vollständig geöffnet sind, überwiegen, und sich also in diesen beiden Stellungen erhalten, wenn keine äussere Kraft darauf einwirkt, überiwiegt das Gegengewicht der Fallthüre diese, wenn sie geschlossen ist. Da aber dieses Uebergewicht nur klein ist, so wird sie durch einen leichten Druck mit dem Fusse geschlossen, und in die Ebene des Fussbodens gebracht, in welcher Stellung sie durch dasDrehen eines in der Wand eingelassenen Hebelarmes erhalten wird. Dreht man diesen Hebel zurück, so öffnet sich vermöge des genannten gegengewichts die Fallthüre von selbst, und kann ausserdem noch durch einen Riegel in senkrechter Stellung, in welcher der Zugang zur Treppe völlig frei wird, und sie das Geländer bildet, festgestellt werden.

Viertens enthält die Sternwarte den Corridor D, in welchem die Eingänge zu den drei vorbeschriebenen Beobachtungsräumen sich befinden, und worin ausserdem ein Theil der Bibliothek auf gestellt ist. Aus demselben gelangt man zunächst in das zweite Bibliothekszimmer E, welches schon einen theil des Wohngebäudes ausmacht, und von da in die übrigen Räumlichkeiten des letzteren.

B a u a r t  d e r  S t e r n w a r t e. Die Sternnwarte ist nebst dem Wohnhause ganz von Steinen aufgeführt; die eigentliche Sternwarte von Quadersteinen (Sandstein) und das Wohnhaus von Bruchsteinen (ein Kalkstein), deren äussere Schicht quaderförmig zugehauen ist. Gebäude von ziegelsteinen (Backsteinen) sind hier selten, da die benachbarten Berge, und unter diesen namentlich der Seeberg, in ihren Sand- und Kalksteinbrüchen ein billigeres und dauerhafteres Baumaterial liefern. Die Fundamente der instrumente reichen isolirt von dem übrigen Mauerwerk bis auf den Standboden hinab. In jedem Zimmer ist von da bis auf eine Entfernung von zwei Zollen von den Tragbalken des Fussbodens ein mauerblock aufgeführt, auf welchem die Pfeiler der Instrumente und der Uhren gestellt sind. unter dem Meridianzimmer ist dieser Mauerblock ganz von Quadersteinen aufgeführt, und füllt bis auf eine Entfernung von zwei Fussen von den Umfangsmmauern das ganze Zimmer aus, so dass in letzterem an jeder bbeliebigen Stelle ein Instrument aufgestellt werden kann. Unter dem Ost-West-Zimmer ist der Mauerblock von Bruchsteinen, und nicht weiter ausgedehnt, wie für das dort aufgestellte Passageninstrument und die Uhr nöthig war. Im Innern des Thurms ist ein abgekürzter Kegel vom standboden an von bruchsteinen aufgeführt, dessen obere Grundfläche mit einer Steinplatte bedeckt ist, die in der Ebene des Fussbodens des Beobachtungszimmers liegt. Das im Thurme aufgestellte Instrument ist daher auch vom Fussboden vollständig isolirt, da die Tragbalken dieses Fussbodens, gleichwie die der anderen Fussböden in den Aussenwänden befestigt sind. Die Treppe, welche in den thurm hinauf führt, ist von Stein, und auch in der Aussenwand eingemauert, so dass sie mit dem oben beschriebenen Kegel gar nicht in berührung kommt.

Der Fussboden des Beobachtungszimmers im thurm liegt 34 Fuss höher wie die Fussböden der Beobachtungszimmer A und B und des Corridors D, und diese Fussböden liegen 14 Fuss höher wie das die Sternwarte umgebende Erdreich. Der Fussboden des zweiten Stockwerks des Wohngebäudes, welches zur Wohnung des Directors der Sternwarte und seiner Familie dient, liegt auch etwas höher wie die zuletzt genannten Fussböden, so dass man, um vom Bibliothekzimmer E in den Corridor D zu gelangen, eine Treppe von fünf Stufen hinabsteigen muss. Die Wohnung ist geräumig und so eingetheilt, wie der anliegende Grundriss zeigt. Im ersten Stockwerke des Wohngebäudes befinden sich die Wirthschaftsräumlichkeiten, und ausserdem noch ein Paar bewohnbare Zimmer. Ein kleiner Garten umgiebt das Ganze mit Ausnahme der Westseite des Wohngebäudes, die mit den übrigen Häusern der Jägerstrasse in einer Linie liegt.

I n s t r u m e n t e. Unter der westlichen Spalte des Meridianzimmers ist der Ertel'sche Meridiankreis aufgestellt, an welchem die Vorrichtung angebracht ist, durch welche die erforderliche Anzahl von Theilstrichen auf eine sehr geringe Anzahl - auf 72 im Kreise und 61 auf jeder der beiden Hülfstheilungen - zurückgeführt, und daher die vollständige Ermittelung der Theilungsfehler ausführbar wird. Die hier angebrachte Einrichtung ist etwas von derjenigen, die ich im 17. Bande der Schumacher'schen Astr. nachr. beschrieben habe, verschieden, im Prinzip aber damit übereinstimmend. Dieser Meridiankreis ist ferner so eingerichtet worden, dass man Objectiv und Ocular am Fernrohr mit einander vertauschen kann, wodurch sich ein einfaches mittel zur Bestimmung der Biegung des Fernrohrs und des Kreises ergiebt. Objective und Oculare der zu den Ablesungen dienenden mikrometrischen Mikroscope sind von Schieck verfertigt.

Unter der östlichen Meridianspalte ist jetzt ein astronomischer Theodolit von Reichenbach aufgestellt, und diese Spalte dient überhaupt um mit transportablen Instrumenten Beobachtungen im Meridian oder in der Nähe desselben anzustellen.

Die in diesem Zimmer aufgestellte Uhr ist von Tiede.
In demselben Zimmer befindet sich ferner ein galvanischer
Registrirapparat, zur Aufzeichnung der Beobachtungen am Meridiankreise. Dieser besteht aus einem telegraphischen Schreibapparat von Siemens und Halske, welcher mit zwei Electromagneten versehen ist, wovon der eine auf einem sich fortbewegenden Paperstreifen die Secunden der Uhrzeit, und der andere dicht daneben die Beobachtungsmomente durch Punkte bezeichnet. Um in der That Punkte und nicht Striche zu erhalten, sind die Stahlspitzen, die in das Papier eindringen, mit Gelenken versehen worden. Wenn durch das Schliessen der galvanischen Kette der Anker vom Magneten angezogen wird, wodurch die Spitze des Stahlstifts in das Papier eindringt, so dreht sich in dem kleinen Zeittheilchen, in welchem die Kette geschlossen bleibt, vermöge der fortwährenden Bewegung des Papierstreifens dieser Stift um das genannte Gelenk, und der Punkt, den er gemacht hat, kann sich nicht zu einem Strich ausdehnen.

Da die Bewegung des an diesem Apparat befindlichen Räderwerks durch einen sogenannten Windfang regulirt wird, so übt die Veränderung der Temperatur, in welcher sich der Apparat befindet, auf die Geschwindigkkeit der Bewegung desselben einen Einfluss aus, welcher indessen durchaus unschädlich ist, da, um genaue Resultate zu erhalten, die Temperatur nur während der Dauer Einer Secunde unverändert zu sein braucht; eine Annahme, die mit hinreichender Genauigkeit gewiss um so mehr stattfindet, da der Apparat in einem Glaskasten eingeschlossen ist. Um in weiter von einander liegenden Zeiträumen, in welchen grössere Temperaturwechsel eingetreten sind, zu beewirken, dass für die Secunde dieselbe, - oder welches ausreicht; - nahe dieselbe Lineargrösse auf dem Papierstreifen angegeben werde, vermehrt oder vermindert man das Gewicht, welches die bewegende Kraft des Apparates bildet. Man kann diese kleine Unbequemlichkeit übrigens dadurch vermeiden, dass man statt des Windfangs ein sogenanntes Centrifugalpendel, d. i. ein Pendel, welches während seiner Schwingungen eine conische Oberfläche beschreibt, als Regulator anbringen lässt.

Die galvanische Kette, in welcher der eine Electromagnet eingeschaltet ist, wird, wenn der Apparat in Thätigkeit ist, jede Secunde durch die Bewegung des Pendels der Hauptuhr geschlossen. Zuerst war die Einrichtung die folgende. Ohngefähr auf der Mitte der Pendellänge war an demselben eine kreisförmige Scheibe von dünnen Platinblech von ohngefähr drei Linien Durchmesser befestigt, die jedes Mal, wenn das Pendel durch die Verticale ging, in ein Quecksilbertröpfchen tauchte, und dadurch das Schliessen der Kette bewirkte. Das Quecksilbertröpfchen bildete sich an dem oberen Ende des einen senkrechten engen Kanals, einer sogenannten hydrostatischen Röhre, deren anderer senkrechter Kanal sehr weit war, um eine beträchtliche Menge Quecksilber fassen zu können. Durch Hülfe einer im letztgenannten Kanal angebrachten Schraube, die an ihrem unteren Ende einen hölzernen Cylinder trug, dessen Durchmesser fast dem Durchmesser des Kanals gleich kam, konnte man das Quecksilbertröpfchen des engen Kanals so dirigiren, dass es in der erforderlichen Höhe über dem Kanal hervorragte. Dieser Apparat wirkte sehr gut, und äusserte durchaus unmerklichen Einfluss auf den Gang der Uhr. Die einzige Unbequemlichkeit, die damit verbunden war, bestand darin, dass das Quecksilber sehr bald oxydirte, allein es kostete wenig Mühe, das Oxyd fortzuschaffen. Der Arm, welcher den hydrostatischen Kanal trug, besass ein Gelenk, um welches man ihn in horizontaler Richtung drehen, und vom Pendel entfernen konnte. Um nun das Oxyd vom Quecksilber zu entfernen, war nichts weiter nöthig wie den Kanal um das Gelenk zu bewegen, und mit einer kleinen, weichen Bürste den Quecksilbertropfen zu betupfen, und ein wenig zu reiben; dadurch wurde sogleich eine reine, metallische Oberfläche hergestellt.

Später habe ich statt dessen eine Einrichtung, deren erste Idee von meinem ältesten Sohne herrührt, angebracht. auf der Pendelstange und parallel damit wurde ein cylindrischer, etwa 3 Par. Zoll langer und 3 1/2 Zoll im Durchmesser haltender Stahlmagnet angebracht. unter diesem liegt ein, mit einem Gestell, welches am Uhrgehäuse befestigt ist, verbundener, etwa 1/5 Linie starker und zwei zoll langer cylindrischer, gehärteter Stahlstift, welcher an einer horizontalen Achse, die sich in zwei dünne Zapfen endigt, fest verbunden ist, und sich mit der grössten Leichtigkeit von oben nach unten bewegen kann. Diese Bewegung wird durch zwei Stellschrauben beschränkt, und so eingerichtet, dass er sich durch die magnetische Anziehungskraft dem Magneten des Pendels, ohne denselben zu berühren, nähert, während das Pendel sich in der Verticallinie befindet, und wenn es seine Oscillation fortsetzt, vermöge der grösseren Entfernung, die dann stattfindet, zurückfällt. Indem dieser Stift sich dem Pendel nähert, bewirkt ein kleiner messingener Arm, welcher an der[s]elben Achse befestigt ist, den Schluss der galvanischen Kette, und der Uhrmagnet giebt auf dem Papierstreifen sein Zeichen. Den Contact habe ich durch zwei kleine Stückchen Iridum bewirkt, welche mit einander in Berührung gerathen, wenn der Magnet des Pendels den Stahlstift anzieht. Zuerst hatte ich versucht, den Contact durch Platin zu bewirken, allein es trat dabei der Uebelstand ein, dass der electrische Funke die Platinplättchen im Punkte des Conntacts zusammen schweisste, so dass sie aneinander kleben blieben. Da das Iridium die Eigenschaft des Schweissens nicht besitzt, so kann bei der Anwendung dieses Metalls dieses Kleben nicht vorkommen. Nach dem Anstzen des Apparats habe ich die Amplitude der Pendelschwingung um keine merkliche Grösse anders gefunden, wie sie vorher war, und ich schliesse daraus, dass der Apparat keinen merklichen Einfluss auf den Gang der Uhr äussern wird. Directe Beobachtungen darüber habe ich noch nicht, weil der Apparat in den oben genannten Dimensionen erst ganz kürzlich angebracht worden ist. Dieser Apparat gewährt unter andern den Vortheil, dass man in der Kette des Uhrmagneten kein Relais anzubringen braucht.

Ich füge hinzu, dass man dem Stahlstift und der Achse, woran er befestigt ist, noch kleinnere Dimensionen geben kann, wie hier geschehen ist, und dass dadurch eine etwaige Befürchtung eines nachtheiligen Einflusses auf den Gang der Uhr aus mehreren Grunde beseitigt wird.

Es ist noch zu beschreiben, wie dieser Registrirapparat in Bewegung gesetzt und wieder gehemmt wird, da ich dieses auf eigenthümliche Art habe einrichten lassen. Es befinden sich zu diesem Zweck neben dem oben beschriebenen Apparat unter einem zweiten Glaskästchen zwei mit Ankern, die um eine horizontale Achse drehbar sind, versehene Electromagnete, von der Beschaffenheit, dass sie bei geöffneter Kette ein möglichst grosses Residum behalten. Wenn der Apparat ausser Thätigkeit ist, so kleben vermittelst dieses Residuums die Anker an diese Magnete, und durch ein einfaches Hebelwerk ist bewirkt, dass das Räderwerk des Registrirapparats gehemmt ist, sso lange der Anker des hintern Magneten anliegt, die Hemmung aber gehoben wird, und folglich das Räderwerk in Bewegung geräth, wenn dieser Anker abfällt. Beide Anker sind dergestalt durch Hebel mit einander verbunden, dass der Anker des hinteren Magneten anfällt, wenn der des vorderen abfällt, während das Entgegengesetzte nicht stattfindet. Um das Registrirwerk in Bewegung zu setzen, braucht man daher nur den Anker des hinteren Magneten zum Abfallen zu bringen, und um es wieder zu hemmen, den des vorderen. Durch einen Druck auf einen besonderen Knopf, wodurch zugleich die Kette geschlossen wird, bringt man wieder den Anker des vorderen Magneten zum Anfallen, wobei der des hinteren Magneten nicht wieder abfällt. Es ist unmöglich, diese Operationen in umgekehrter, unrichtiger, Ordnung zu machen, denn die Einrichtung des Apparats ist so, dass man den Anker des vorderen Magneten nur dann zum Abfallen bringen kann, wenn zuvor der des hinteren Magneten zum Abfallen gebracht worden ist. Das Abfallen der Anker wird überhaupt dadurch bewirkt, dass man durch Hülfe eines gemeinschaftlichen Commutators den Strom umkehrt, und dann durch Druck auf einen Knopf die bezügliche Kette schliesst.

Wenn nun blos beabsichtigt worden wäre, den Registrirapparat durch eine neben demselben stehende Person in Bewegung setzen und hemmen zu lassen, dann hätte man ohne den oben beschriebenen Apparat mit einem einfachen Hebel ausgereicht, aber die Absicht ging dahin, den Beobachter am Meridiankreise in den Stand zu setzen, selbst den Apparat kurz vor dem Durchgange des Sterns hinter dem ersten Faden in Bewegung setzen, und denselben kurz nach dem Durchgange hinter dem letzten Faden hemmen zu können, und diese Absicht ist durch den beschriebenen Apparat vollständig erreicht. Die Kette, in welcher der Magnet eingeschaltet ist, welcher die Beobachtungssignale auf den Papierstreifen giebt, ist unter dem Fussboden bis an die Pfeiler des Meridiankreises geleitet; Nebenketten, welche mit derselben Batterie verbunden sind, enthalten die beiden oben beschriebenen zum Anlassen und Hemmen des Registrirapparats dienenden Magnete, und senden auch einen Strang an die Pfeiler des Meridiankreises. Die drei Stränge, welche dort zum Vorschein kommen, endigen in eine in die Hand zu nehmende Vorrichtung, an welcher zwei sich dem Zeigefinger darbietende Knöpfe befindlich sind. Diese Vorrichtung ist in zwei Exemplaren vorhanden, von welchen das eine sich an der Nordseite des östlichen, und das andere sich an der Südseite des westlichen Pfeilers befindet. Das erstgenannte Exemplar dient für die Beobachtung der Durchgänge südlicher, und das letztgenannte für die nördlicher Sterne. beide können unabhängig von einander, und ohne besondere Vorbereitung, nur nicht gleichzeitig, angewandt werden.

Die Anwendung dieses Apparats ist nun die folgende. Wenn der zu beobachtende Stern im Begriff ist in das Feld des Fernrohrs einzutreten, stellt der Beobachter den Magneten, welcher die Uhrsignale giebt, an, und dreht den Commutator. Er zählt ferner nach dem Secundenzeiger der Uhr die sehr hörbaren Schläge des Uhrmagneten, begiebt sich ans Fernrohr, und fasst mit der linken Hand die Vorrichtung mit den beiden Knöpfen an; die rechte Hand gebraucht er zum Verschieben des Oculars und zum Einstellen der Zenithdistanz. Wenn der Stern sich ein Paar Secunden vor dem Durchgange hinter dem ersten Faden befindet, so drückt er auf den ersten Knopf, wodurch das Registrirwerk sich in Bewegung setzt, und zugleich vom Beobachtungsmagneten ein Punkt auf den Papierstreifen gemacht wird, der beim Eintragen in das Beobachtungsjournal zum Anfangspunkt dient. Der Beobachter merkt sich nemlich die Secunde, bei welcher er das Werk in Bewegung setzzt, und zugleich vom Beobachtungsmagneten ein Punkt auf den Papierstreifen gemacht wird, der bbeim Eintragen in das Beobachtungsjournal zum Angangspunkt dient. Der Beobachter merkt sich nemlich die Secunde, bei welcher er das Werk in Bewegung gesetzt hat,, und hört zugleich mit dem Zählen auf. Dadurch, dass er ferner bei jedem Fadendurchgange des Sterns von Neuem auf denselben Knopf drückt, bewirkt er, dass der Beobachtungsmagnet die beobachteten Fädenantritte auf dem Papierstreifen anmerkt, während fortwährend daneben der Uhrmagnet die Secunden bezeichnet. Wenn der letzte Fadendurchgang vorüber ist, drückt der Beobachter auf den zweiten Knopf, wodurch das Registrirwerk wieder gehemmt wird. Er notirt darauf in einem Handbuche die Stunde, Minute und Secunde, bei welcher er das Werk in Bewegung gesetzt hat, fügt den Namen des Sterns, und wenn zugleich die Zenithdistanz eingestellt worden ist, auch die Ablesungen an dem Kreise hinzu.

Auf diese Weise stehen die Durchgänge der Sterne, einer nach dem anderen, ohne leere Zwischenräume, auf dem Papierstreifen, und man kann, wenn man will, jeden Durchgang besonders abschneiden und eintragen. es wird der Papierstreifen jedoch täglich nur Ein Mal abgeschnitten, und alle darauf befindlichen Durchgänge zugleich eingetragen. Das Ablesen vom Papierstreifen geht leicht und sicher von statten. Der Angangspunkt eines jeden Durchganges, nemlich derjenige, der den Anfang der Bewegung des Papierstreifens anzeigt, und der einer bekannten Secundenzahl angehört, ist sehr kenntlich; von da an zählt man, indem man den Papierstreifen zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger der linken hand durchgehen lässt, die Secunden ab, und wo man auf einen Beobachtungspunkt kommt, schreibt man die dazu gehörige Secunde, nebst Zehntheilen, und manchmal auch Hunderttheilen in das Beobachtungsmanual ein. Ein Irrthum ist hiebei nicht leicht möglich, und sollte er vorgekommen sein, leicht zu entdecken. Man kann beim Ablesen und Niederschreiben durch Anreden u. dergl. unterbrochen werden, ohne dass dadurch Irrthum entsteht, da die zunächst vorher nieder geschriebene Secunde jedes Mal einen Anhaltepunkt darbietet.

Man kann denselben Apparat auch zur Bestimmung von Längenunterschieden durch den galvanischen Telegraphen auf die directeste und einfachste Weise anwenden, ohne eine Abänderung an demselben vornehmen zu müssen; hierüber werde ich mich ein anderes Mal aussprechen.

Die Anwendung des Electromagnetismus auf die Registrierung von astronomischen Beobachtungen halte ich für einen sehr wesentlichen Fortschritt, von welchem man wünschen muss, dass er bald auf allen Sternwarten eingeführt werden möchte. Die Anwendung des Papierstreifens halte ich für die einfachste, und ziehe sie der Anwendung das mit Papier umspannten Cylinders vor.

In der hiessigen Sternwarte erstreckt sich noch eine Leitung von der Hauptuhr bis in den Thurm, wodurch eine dort befindliche electrische Uhr mit der Hauptuhr in Verbindung gebracht, und in Gang gesetzt wird.

Es werden zu dem im Vorstehenden beschriebenen Apparat nur zwei Batterien gebraucht, die aus Kohlen- und Zinkelementen bestehen. Die Kohlencylinder, die angewandt werden, sind 4 Par. zoll hoch und halten 2 1/2 Par. zoll im Durchmesser. Jede der beiden Batterien besteht aus drei - manchmal auch nur aus zwei - solcher Elemente. Die eine Batterie dient für den Uhrmagneten und die electrische Uhr im Thurm, die andere für den Beobachtungsmagneten und die beiden Magnete zum Anlassen und Hemmen des Registrirwerks.

Unter der Spalte im ersten Vertical ist das Ramsden'sche 8füssige Passageninstrument aufgestellt, dessen Einrichtung von der jetzt noch bei Passageninstrumenten gebräuchlichen nur in minder wesentlichen Dingen abweicht. Der einzige Mangel, den dieses Instrument besitzt, ist der, dass das Objectiv desselben den Münchener Objectiven an Güte nachsteht.

Im Thurme ist jetzt das Fraunhofersche Heliometer aufgestellt, an welchem aber die parallactische Aufstellung durch den hiesigen Mechaniker Herrn Ausfeld erneuert, und mit grösseren, zweckmässiger angebrachten Kreisen versehen worden ist. Später wird ein vom Herzoge gnädigst bewilligtes Aequatoreal mit 6füssigem Fernrohr und 2füssigen Kreisen, dessen Anfertigung die Gebrüder Repsold übernommen haben, dort den ersten Platz einnehmen. An diesem Instrument, welches ich später ausführlich beschreiben werde, wird ausser den Verbesserungen, die die Verfertiger in der letzten Zeit an ihren Aequatorealen angebracht haben, eine von mir angegebene Aequilibrirung der Declinationsachse und der daran befestigten Theile angewaandt, wodurch der Biegung derselben vogebeugt wird. Aus diesem Grunde sowohl, wie auch wegen der Umsicht und Sorgfalt, mit welcher die Herren Repsold alle ihre Instrumente ausführen, hoffe ich mit diesem Aequatoreal absolute Beobachtungen anstellen zu können.

Mit dem Heliometer wird gegenwärtig von Herrn Prof. Habicht und Herrn Gussew aus Wilna, welcher sich seit dem vorigen Frühjahr hier aufhält, eine Beobachtungsreihe von Distanzen und Positionswinkeln einiger Mondflecke ausgeführt, ddie zur Bestimmung der Figur des Mondkörpers und der Libration angewandt werden soll.

Um für diese Beobachtungen die Collimation des Positionskreises jedes Mal vollständig bestimmen zu können, ist es nothwendig, die Aufstellung des Instruments häufig zu untersuchen, und wir haben die cölestischen Beobachtungen, die hiezu dienen, auch angestellt. Uum zu erfahren, wie grosse Genauigkeit hiebei mit diesem Instrument erlangt werden kann, haben wir es geradezu als Aequatoreal angewandt, obgleich für den oben genannten Zweck ein weniger genaues Verfahren für ausreichend erachtet werden kann. Diese Beobachtungen, an welchem ich theilnehme, haben genauere resultate gegeben, wie ich im Voraus bei diesen Instrument, erwartet hatte. Wir können, um Eine Gattung von Resultaten anzuführen, mit diesem Instrument bei zweckmässiger Behandlung desselben die Correction der Uhr auf ein Paar Zehntheile von Secunden bestimmen, wie die Vergleichungen mit der Hauptuhr ausweisen. ich habe hiemit einen neuen Grund für die Annahme erlangt, dass ich mit dem neuen, obe erwähnten Aequatoreal in der That absolute Beobachtungen von wünschenswerther Genauigkeit werde erlangen können.

An kleineren Instrumenten besitzt die Sternwarte eine Anzahl von Fernröhren, einige ältere Spiegelteleskope, einen astronomischen Theodoliten von Reichenbach, Uhren, Spiegelsextanten u. s. w.

Es wird schliesslich benerkt, dass sowohl das Wohnhaus wie die Sternwarte Gasbeleuchtung besitzt, und dass auch die Beleuchtung der Uhren und der Gesichtsfelder in den Hauptinstrumenten durch Gas geschieht. Es ist mir erzählt worden, dass man auf der einen oder anderen Sternwarte bei der zuletzt genannten Beleuchtung Schwierigkeiten gefunden habe, und zum Lampenlicht zurückgekehrt sei; hier sind keine Uebelstände davei bemerkt worden, ich habe aber, um von der Wirkung der Veränderlichkeit des Druckes, dem das Leuchtgas unterworfen ist, unabhängig zu sein, die Vorsicht gebraucht, die Brenner, die zur Beleuchtung der Gesichtsfelder dienen, horizontal legen zu lassen. Die Beleuchtung der Mikroskopfelder des Meridiankreises durch Ein Gaslicht ist projectirt, aber noch nicht ausgeführt.[4]

Anmerkungen
a) Jägergasse statts Jägerstraße

Instrumente der Sternwarte


Meridiankreis der Gothaer Sternwarte. Er wurde 1826 von der Firma Reichenbach und Ertel geliefert und sowohl auf dem Seeberg als auch in der Jägerstaße verwendet. Auch hier ist die Achse des Fernrohrs genau nach Ost und West ausgerichtet. Der große Drehkreis links des Rohrs ermöglicht ein sehr genaues Ablesen des Neigungswinkels und damit der Höhe bzw. der Zenitdistanz des beobachteten Sterns.



6-füßiges Äquatoreal (Brennweite ca. 180 cm), gebaut von der bekannten deutschen Firma Repsold. Dieses Instrument wurde für die neue Sternwarte in der Jägerstraße beschafft. Der Ausdruck "Äquatoreal" bezeichnet ein parallaktisch montiertes Fernrohr. Beide Achsen haben große Teilkreise zum Einstellen oder Ablesen der Sternpositionen.



Pendeluhr von Tiede (Berlin 1855) zum Ablesen der Sternzeit. Deutsches Museum München. Diese Uhr wurde für die neugebaute Sternwarte in der Jägerstraße erworben. Das genaue Bestimmen der Durchgangszeit eines Sterns durch den Meridian war für die Positionsbestimmung von großer Wichtigkeit. Mit Hilfe der Uhrzeit kann die in Bezug auf die sich drehende Erde gemessene Position des Sterns in einen absoluten Ort am Himmel umgerechnet werden.

Die historischen Geräte wurden dem Deutschen Museum in München und dem Regionalmuseum in Gotha zuerkannt.

Sternwartenbibliothek


Stempel der Sternwartenbibliothek

Eine Seite des AK der Sternwartenbibliothek

AK (Alphabetischer Katalog) der Sternwartenbibliothek, Seite 49

Nach der Auflösung der Sternwartenbibliothek, wurden die Bestände von der damaligen Herzoglichen Bibliothek übernommen. Nur ein Teil - etwa 100 Titel gingen an die Sternwarte nach Jena. Die Sternwartenbibliothek wurde in die Universitäts- und Forschungsbibliothek Gotha eingegliedert.

Hansens ehemalige Sternwarte bis heute

Nutzung der ehemaligen Sternwarte

1934 wurde der Gebäudekomplex vollständig zu einem Wohnhaus umgebaut. Das ehem. Wohnhaus der Familie Hansen, die Interimsternwarte, wurde bei einem Luftangriff im Februar 1945 zerstört. Die Aufteilung in mehrere Wohneinheiten führte zu gravierenden Eingriffen in das konstruktive Gefüge. Heute beherbergt das Gebäude im Erdgeschoss ein Büro. Im Obergeschoss sowie im Sternwarten-Gebäude entstanden drei Wohnungen, die in ihren Grundrissen ebenfalls die historische Gebäudestruktur und Raumwirkung aufnehmen.[5]


Hansens ehemalige Sternwarte in Gotha, Anblick 1995

Schrifttafel über dem Eingang des Observatoriums

Nach dem Testament Herzog Ernsts II. von Sachsen-Gotha und Altenburg sollte die "Herzogliche Sternwarte Jägerstaße Gotha" ein öffentliches Denkmal sein. Damit erhielt die Sternwarte eine entsprechende Bedeutung für Gotha und Hansen hat das mit einer Schrifttafel über dem Eingang des Observatoriums gewürdigt. Diese Schrifttafel wurde durch die Kriegseinwirkungen des 2. Weltkrieges beschädigt und es waren viele Buchstaben nicht mehr vorhanden. Mit fianziellen Mitteln der Kulturstiftung Gotha wurde die Schrifttafel restauriert und der Öffentlichkeit übergeben.

SPECULA ERNESTINA
IN VICINO MONTE OLIM CONDITA AB ERNESTO II: D.G. ET A.
OPPORTUNIORE LOCO NUNC REST. AB ERNESTO II. D.C. ET G.
MDCCCLVII

Ernestinische Sternwarte
auf benachbartem Berge einst gestiftet von Ernst II. Herzog von Gotha und Altenburg
nun an günstigerer Stelle wiederhergestellt durch Ernst II. Herzog von Coburg und Gotha
1857

Gedenktafel an der alten Sternwarte



An der alten Sternwarte in der Jägerstraße in Gotha wurde im Jahr 2007 eine Gedenktafel angebracht,
die an den Astronomen und Geodäten Peter Andreas Hansen und seinen wissenschaftlichen Leistungen erinnert.

Dieses 1857 durch den Hofbaumeister Scherzer errichtete
Gebäude diente als Wohn- und Arbeitsstätte von

Peter Andreas Hansen

(1796 - 1874)
Bedeutender Astronom und Geodät
des 19. Jahrhunderts

Seit 1825 trug er als Direktor der Gothaer
Sternwarte durch astronomische
Beobachtungen, durch Berechnungen der
Bahnen von Mond und Planeten mit
ihren Störungen und durch die Konstruktion
von Beobachtungsgeräten wesentlich
zur Entwicklung der Astronomie in
seiner Zeit bei.

Als Geodät führte er ab 1838 die Landesver-
messung des Herzogtums Gotha durch,
entwickelte dabei neue Berechnungs-
methoden wie die "Hansensche Aufgabe"
und war später leitend an der
europäischen Gradmessung beteiligt.

Die 1859 hinter diesem Wohnhaus bezogene
"Neue Herzogliche Sternwarte" galt mit
ihren Instrumenten als Musterbau
eines atronomischen Observatoriums.

Deutscher Verein für Vermessungswesen
Landesverband Thüringen und

Bund der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure
Landesgruppe Thüringen
2007

Quellenverzeichnis

  1. Hansen, Peter Andreas: Ueber die CHRONOMETER, welche Herr Kessels verfertigt. Aus den Notizen über ihren Gang von Bessel, Bohnenberger, Hansteen, Schumacher und Zahrtmann gezogen, und mit Bemerkungen über die vortheilhafteste Art sie zu Längenbestimmungen zu gebrauchen, Altona 1840
  2. Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste: Mitglied Peter Andreas Hansen. http://www.orden-pourlemerite.de/mitglieder/peter-andreas-hansen (Stand: 12. Dezember 2014)
  3. Wikipedia: Sternwarte Gotha. Sternwarte Jägerstraße 7. https://de.wikipedia.org/wiki/Sternwarte_Gotha#Sternwarte_J.C3.A4gerstra.C3.9Fe_7 (Stand: 23. Dezember 2014)
  4. Hansen, Peter Andreas: Über die Einrichtung der Neuen Herzogl. Sternwarte zu Gotha. Berichte der math.-physischen Classe der Königl. Sächs. Gesellschaft der Wissenschaften, Gotha 1859
  5. Wikipedia: Sternwarte Gotha. Sternwarte Jägerstraße 7. Nutzung der ehem. Sternwarte bis heute. https://de.wikipedia.org/wiki/Sternwarte_Gotha#Nutzung_der_ehem._Sternwarte_bis_heute (Stand: 23. Dezember 2014)

ISSN 2363-8648

Bearbeitungsstatus: Projekt in Bearbeitung
Bearbeiter: Mathias Nowak

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